Vietnam
Reisebericht 2007
Ich bin vor einer Woche (September 2007) das erste Mal seit
ueber 3 Jahren wieder nach Hanoi, Vietnam gereist und bin froh,
dass ich diese Reise unternommen habe. Ich habe vor 4 Jahren
(2003) selber in Hanoi gearbeitet und so ist mir das Land bekannt-
erstaunlicherweise hat sich nicht vieles veraendert, jedenfalls
nichts grundlegendes. Die Traditionen und die Kultur sind gleichgeblieben
und es fahren immer noch etliche Motorraeder durch die Strassen.
In Hanoi leben mittlerweile 4 Millionen Einwohner und ein Freund
hat mir gesagt, dass an einigen Randgebieten von Hanoi neue
Hochhaeuser entstehen- was natuerlich nicht zur normalen Bauweise
in Vietnam gehoert. Fuer mich war es wieder einmal sehr schoen,
vom Flughafen NoiBai, der ziemlich weit ausserhalb liegt nach
Hanoi an unzaehligen Reisfeldern vorbei zu fahren und Vietnam
neu zu erleben. Man muss sich auf eine neue Kultur einlassen
und einfach in das Leben dort eintauchen. Gerueche, das Hupen
der Mopeds und die wunderschoene Landschaft. Das Altstadtviertel
in Hanoi ist nach wie vor unveraendert, Geschaefte und Restaurants
wechseln nach wie vor manchmal monatlich den Besitzer und man
kann immer noch fuer ca. 10 US Dollar ein nettes Budget Zimmer
bekommen. Ebenfalls immer wieder schoen ist es in der Bao Khan
Street ein Bier zu trinken und das Strassenleben vom 2. oder
3. Stock von einem Aussenbalkon aus zu beobachten. Ich habe
auch die Sehenswuerdigkeiten abgeklappert, Hoan Kiem See, Einsaeulenpagode,
Ho Chi Minh Mausoleum, den Sonnenuntergang am Westsee zu geniessen
und eine Phoe (Nudelsuppe) in einem Strassenrestaurant zu essen
oder einen Cocktail im 20. Stock in der Bar des Sofitels Plaza
zu mir zu nehmen bei einem tollen Blick ueber die Stadt und
den Truc Bac See. Ebenfalls zu empfehlen, ein Besuch in der
Cyclo Bar in der Duong Thanh Street- hier kann man in einem
typischen Cyclo sitzen und franzoesische und vietnamesische
Kueche geniessen.
Ein vietnamesicher Freund hat mir erzaehlt, was ihn stoert,
dass die Leute agressiver geworden sind und die Eltern die Kinder
nicht mehr richtig erziehen, weshalb einige auf die schiefe
Bahn geraten, Drogen nehmen und sich schlecht in die Gesellschaft
einfinden koennen. Stoerend und laestig ist es allemal oft angesprochen
zu werden, dieses oder jenes zu kaufen und oftmals wird nicht
lockergelassen- dies passiert allerdings meistens im Zentrum-
mein Tip, am besten ignorieren und weiterlaufen. Er hat auch
bemaengelt, dass Vietnam zu modern werden koennte- Traditionen
muessen schliesslich Bestand haben, auch in Zukunft- neue Gebaeude
oder Einkaufszentren sind da fehl am Platz- ich stimme da zu-
deswegen ist mir Hanoi um einiges sympathischer als Saigon.
Saigon ist sowieso nur ne weitere Grossstadt. Ab Ende Dezember
2007 muessen Mopedfahrer einen Helm tragen- schade- das Fahren
ohne Helm hatte so viel Spass gemacht. Aber trotz dieser kleinen
Veraenderungen besteht nach wie vor eine enge Familienbindung
fuer die meisten Vietnamesen und es ist gut zu sehen, dass sich
das Land nicht zu stark veraendert hat. Obwohl Hanoi eine Millionenstadt
ist, kommt man sich vor wie in einem Dorf. Der Charme der Stadt
ist nach wie vor da und dies macht Hanoi zu einer der schoensten
Staedte in Suedostasien (Luang Prabang ist natuerlich nicht
zu vergleichen)
Ich habe in den 10 Tagen, die ich dort war auch einen Ausflug
zur Parfuempagode unternommen, Fotos gemacht und die Fahrt genossen.
Das einzig stoerende ist eine Seilbahn, mit der man von den
Restaurants beim Fluss fast zur Pagode fahren kann- dies ist
nicht nur unnoetig, sondern auch ein Schandfleck fuer die Natur.
Ausserdem kommt nichts dem Erlebnis nahe, die 1 Stunde bergauf
zu gehen und die Natur zu geniessen. Der Weg ist das Ziel und
es ist genauso wie wenn man 1 Stunde auf einen Berg fliegt oder
5 Tage braucht, um dorthin zu gelangen- finde es schade, dass
die Regierung das zugelassen hat, so zerstoert man die Natur,
meine Mitreisenden haben das auch als sehr stoerend empfunden-
aber trotz allem ist es trotzdem einen Ausflug wert.
Tam Coc ist ebenfalls sehr schoen, hat sich nicht veraendert
zum letzten Mal, verkommt allerdings auch zum Massentourismusziel.
Was mir generell aufgefallen ist: die Preise fuer die Touren
haben sich erhoeht- nicht die Welt, aber immerhin. Habe ich
fuer die Parfuempagode vor 4 Jahren noch 8 US Dollar gezahlt
so sind es nun 17 gewesen, ebenso verhaelt es sich fuer Tam
Coc. 2 Tage in der Halong Bucht mit ODC Travel mit Uebernachtung
an Bord kamen auf 46 US Dollar pro Person (frueher 32). Aber
da der Dollarkurs gut fuer uns ist, kann man da drueber hinwegsehen.
Ich bin ja jetzt im September dortgewesen und die Anzahl der
Touris hielt sich zum Glueck in Grenzen, da noch nicht Hochsaison
ist- trotzdem hoffe ich, dass auch in Zukfunft nicht das Land
durch Massentourismus zerstoert wird. An den Straenden wird
nun schon vieles zugebaut und selbst in Mai Chau gibt es eine
Lodge- ist ja nicht schlecht, so lange es sich begrenzt haelt.
Die Regierung behaelt sich nach wie vor das Recht vor, die Zahl
der Touristen auf eine bestimmte Zahl einzuschraenken, damit
nicht zu viele im Land gleichzeitig sind.
Einen anderen Tag bin ich mit einem Freund in das Keramikdorf
nach Bat Trang in der Naehe von Hanoi gefahren- war ganz nett,
an dem Tag hat es geregnet, und es war ein netter Nachmittag.
Sehr nett auch die Heike zu treffen, die nun in Vietnam lebt
und genau wie ich evtl. ein Buch schreiben will. Bin mal gespannt
darauf. Mir hat der Abend gut gefallen mit Bia Hanoi. Hehe.
Wir sehen uns auch wieder, da bin ich mir sicher.
Jetzt wird es doch noch persoenlich hier. Mein Urlaub war wie
gesagt sehr schoen, eines meiner besten Erlebnisse war mit einem
Freund auf dem Motorrad abends wie wild durch Hanoi zu duesen
und einfach den Wind auf meinem Gesicht zu spueren- easy rider
feeling- sich jung und gluecklich zu fuehlen- ein Gefuehl zu
haben, dass gar nichts schief gehen kann. Und ab und zu einen
vietnamesischen Kaffee mit Eis und Kondensmilch zu trinken,
Creme Caramel zu essen (gewusst wo in Hanoi, aha) und dann weiterzufahren.
Habe einen meiner schoensten Sonnenuntergaenge am Westsee gesehen,
wunderschoen, ein roter Feuerball, haette da stundenlang sitzen
koennen und einfach den Moment geniessen. Immer wieder erstaunlich
zu sehen, wie schnell die Sonne in Asien untergeht.
Was waere der Norden von Vietnam ohne die Halong Bucht? Genau,
allerdings hatten wir ein bisschen Glueck gehabt, denn als wir
in der Bucht waren war das Wetter wieder sonnig. Ich kann nach
wie vor ODC Travel empfehlen, 46 US Dollar sind nicht zu viel
und der Service und das Essen sind sehr gut. Auserdem sind die
Kabinen nun mit Klimaanlage auf dem Boot ausgestattet und groesser.
Ich habe erfahren, dass so eine Junke 130.000 Euro kostet. Jedenfalls
ist die Halong Bucht nach wie vor mein Favorit in Vietnam, unschlagbar,
zauberhaft, mystisch und einmalig schoen. Ich habe mich super
erholt und ein unvegessliches Wochenende dort gehabt. Sonnenbaden
an Deck, wir hatten instrumentale, meditative Musik dabei und
dann durch die Bucht schippern. Es gab ein wenig Wind, was die
Hitze etwas ertraeglicher machte und komischerweise sieht man
immer wieder Urlauber, mit denen man vor ein paar Tagen schon
eine Tour machte, kleine Welt eben.
Gibts was besseres als die Nacht auf der Junke zu verbringen,
Fisch zu essen, ein Bier zu trinken und auf Deck den Mond ueber
der Bucht zu sehen. Hmm, romantisch, Sternenhimmel und nichts
auf Welt kann schief gehen. So was muss man erleben. Ich hoffe
nur, dass zu viel Tourismus die Bucht nicht kaputt macht- aber
da passt die Regierung hoffentlich auf. Tja, und am naechsten
Tag bin ich natuerlich nach dem Sonnenaufgang gleich schwimmen
gegangen ins gruene Wasser der Bucht, so kann der Tag gut beginnen.
Dann fruehstuecken und vor dem Mittagessen kann nochmal geplanscht
werden. Splash! Die Hoehle, die man besichtigt, ist auch nach
wie vor sehr schoen - vor Jahren gab es allerdings keine Beleuchtung,
sondern man ist mit der Taschenlampe reingegangen.
Die Zeit diesmal in Vietnam war kurz, 10 Tage sind nicht zu
viel- aber ausreichend genug, um zu sagen, dass es nicht das
letzte Mal war, dass ich dort war- sehr nett, alte Bekannte
und Freunde zu sehen und auf der Strasse noch von Reisefuehrern
von damals erkannt und begruesst zu werden. Oder einen frischen
Saft zu trinken und das Leben in Hanoi zu geniessen, den alten
Chef und das Buero zu sehen und durch das Land zu reisen. Klar,
Vietnam ist kein einfaches Reiseland, aber jeden Tag muss man
neu anfangen und von null beginnen- wer nach Vietnam reist hat
was zu erzaehlen und die Kueche und die Landschaft und die Menschen
bleiben einem in Erinnerung. Ich ueberlege mir momentan sogar
wieder dort laenger zu leben, mal sehen, was so wird, es gilt,
die Sache abzuwaegen- ich kann nur jedem empfehlen, sich selber
ein Bild zu machen und einmal nach Vietnam zu reisen.